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In meiner Hand erblühte, gelesen von

In meiner Hand erblühte

Lina Atfah
Übersetzung: Osman Yousufi
Foto mit Linah Atfah und ihrer Mutter, von Osman Yousufi
Foto: Osman Yousufi (2017)

(Gedicht an eine Frau)

Eine Rose für deine Taille,
die von der Melodie fortgetragen wird.
Eine Rose für dein Haar,
in die der Kamm beißen will.
Eine Rose für deine Augen,
deren Honigfarbe sich alle ergeben.
Eine Rose für deine Finger,
die ins Bettlaken krallen bis zum Erröten.
Eine Rose für deine Knie,
die sich beugen, bis die Welt um sie herum zerfließt.
Eine Rose für deine Fersen,
unter denen jeder Kieselstein zur Süßigkeit wird.
Eine Rose für deine Zehen,
die dem Teich schmeicheln.
Eine Rose für dein Kleid,
das deinen Körper enthüllt.
Eine Rose für deinen Lippenstift,
der die Spiegel zu Tafeln zügelloser Mädchen macht.
Eine Rose für deinen Mund,
der das Gedicht offenbart und den Kuss versteckt.
Eine Rose für deine Schultern,
die eine nach der anderen tanzen gehen.
Eine Rose für deine Geheimnisse,
die die Nacht in tausend Ohren verwandelt.
Eine Rose für den Weg,
in dessen Mitte du gezögert hast.
Eine Rose für deinen Schatten,
die schemenhafte Versuchung an der Wand.
Eine Rose für die Olive,
die dir deine scharfe Farbe gab.
Eine Rose für den Regen,
der mehr Regen mit sich bringt.
Eine Rose für die Mutterschaft:
die dich nicht leugnet, ob du willst oder nicht.

Eine Rose für die Einsamkeit der Frauen:
Sie verschwinden gemeinsam im Bad,
sie gürten ihre Taille mit Bändern,
machen sich die Nägel,
flechten sich die Haare
und erzählen einander von all den Enttäuschungen.
Von der Strenge der Väter
und der Obsession mit den Vätern,
die bis zur Keuschheit führt.
Eine Rose für deine Liebhaber,
weil du sie niemals verflucht hast.
Eine Rose für die Liebe
in guten wie in schlechten Zeiten.
Eine Rose für die Bücher, das Weinglas, die Vase, den Weihrauch
und die Lieder von Sabah Fakhri.

Eine Rose für all deine Sachen.
Ich mache einen Rosenstrauß aus dir.

Hinter allen diesen Welten, Augen, Lippen und Tränen,
hinter der Angst der Menschen voreinander,
weit weg von den Schwertern und den Steinigungen,
weit weg von allem, was die Vögel aus ihren Nestern fliehen lässt,
dort, wo das Wasser der Weiblichkeit das Universum zur Quelle führt,
dort, wo das Wasser der Weiblichkeit dem Universum seine Mündung zeigt,
von dort aus werde ich dir mehr und mehr erzählen.
Eine Rose nach der anderen
werde ich dir Gedichte schreiben.

Nachdichtung: Annika Reich

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