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Weiter Schreiben ist ein Projekt
von WIR MACHEN DAS
und dem Gunda-Werner-Institut
in der Heinrich Böll Stiftung
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Der Ort von Erinnerung beleuchtet

Widad Nabi
Übersetzung: Suleman Taufiq
The Place. Foto / Collage von Tammam Azzam
The Place. Foto / Collage: Tammam Azzam

Für unsere Häuser, die wir verließen bei jeder Zerstörung und Bombardierung.

1
Traurig ist,
dass du die Ruinen deines Hauses im Traum besuchst
und zurückkehrst ohne Staubspuren an deinen Händen.

2
Zärtlich ist,
dass du die verwelkten Blumen gießt
im Nachbargarten,
weil die Blumen deines Hauses
ohne Wasser unter Bomben starben.

3
Die Entfernung ist
eine Zwangsgeografie,
trennt zwei Städte voneinander.
Zwischen ihnen Tausende von Meilen,
in einer hast du deine Kleider auf der Wäscheleine gelassen,
in der zweiten streckst du deine Hand in die Luft,
um deine Kleider von der Terrasse in der ersten zu nehmen.

4
Deine Hand,
die an den Klingeln deines alten Hauses haftet.
Wer erzählt ihr,
dass „die Häuser nicht mehr denen gehören, die sie verließen“?

5
Nur das Wasser allein
weiß, warum die Blumen weinen
auf den Balkonen der glücklichen Familien,
die wir verlassen haben.

6
Auf dem Weg zu deinem neuen Zuhause
gibt es eine lange Straße der Sehnsucht,
du wirst dort ewig entlanglaufen.

7
Berührst du das harte Metall des Busses hier,
wächst dort eine Narzisse
auf dem Metallgriff deiner Haustür.
So bleiben die Häuser ihren vertriebenen Besitzern treu.

8
Mitten im Schlaf wacht jede Nacht auf.
Der Wasserhahn tropft immer noch
in deiner alten Küche.

9
Das Leben wird nicht so schlimm,
es schenkt dir ein neues Haus.
Aber deine Seele bleibt ein Wolf,
der jede Nacht heult
auf der Stufe deines alten Hauses.

10
Hinter dem alten Fenster
beobachtet dein Bild den Regen,
die feuchte Buche weint
und niemand bemerkt sie.

11
Die Dunkelheit gedeiht
in den verlassenen Häusern
wie das Kraut im April.
Trotzdem ist der Ort von Erinnerung beleuchtet.

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– Hätte ich ein GartenherzLesenوداد نبي
– Die Soldaten sind schlafloses FreiwildLesenالجنود طرائد لا تنام.
Widad Nabi Annett Gröschner

Widad Nabi & Annett Gröschner

Widad und Annett – beiden geht es in ihren Texten immer wieder darum, Spuren nicht zu ver-, sondern zu entdecken. In Archiven, auf der Straße und dem Körper der Frau.