Entbehrung

Text anhören, vorgelesen von Melika Foroutan:
Hoffnung, Liebe, Sicherheit: nur mehr bittre Nostalgie
Ach, tausendundeine Winterskälte hat dich schon durchdrungen
Zuhaus der Kummer! Angst zu gehen, Heimat nie gefunden
Nun, da du weinend hältst die Straßen eng umschlungen
Wird in dir nichts leben mehr als Heimatlosigkeit
Die du ertrugst, zu finden der Ruhe warme Stunden
Krampfgeschüttelter Körper, hustenwunde Lungen
Mit Murmeln, Puppen, Bällen dich spielen sieht man nie
Spielst Tagelöhner nur, in den Straßen, notgedrungen
Und Messers Narbe trägst du bis heut auf deinem Knie
Seit die strammen Wickeltücher dir jede Regung nahmen
– noch heut auf deiner Seele peitschenstriemenrote Bahnen –
Seit unter kaltem Fladenbrot litt der erste Zahn
Suchst du nach Nahrung überall und das seit vielen Jahrn
Hat Hunger dich übersättigt? Oder war’s die Traurigkeit?
Das ist Armut, kleines Mutterherz, sie erzählt die Geschichte
Bist Versorgerin, nicht Kind, bist der Held der Geschichte
Trotz Zweifeln, immerwährend, fest noch hältst die Geschichte
Obgleich du am Ende nichts erhältst in der Geschichte
Außer Babas einzgem Erbe: anhaltende Krankheit
Deiner müden Füße Spur ist zu sehen in jeder Straße
Dein Lebensweg ein einzig Rundendrehen auf der Straße
Was war dein Baba je dir als eine Wunde voller Salz?
Hast an Stelle sichrer Mutternähe nur die Straße
So halt, statt einer Mutterbrust, fest umschlungen, du, die Straße

