Dolche

Wie jeden Morgen trinken wir gemeinsam unseren Kaffee, während er voller Ungeduld auf die Verteidigung meiner Abschlussarbeit wartet, damit er durch mich sein Haupt vor Stolz bis in den Himmel erheben kann … und ahnt nicht, dass es mein Wunsch ist, noch vor seinem Haupt seine Seele in den Himmel zu erheben. Ihn zu zermalmen … ihn in Staub zu verwandeln … und ihn dann gründlich zu rösten und täglich einen Löffel davon in meinen morgendlichen Kaffee zu rühren, um ihn bis ans Ende meiner Tage genüsslich zu trinken. Denn wie sollte ich die Süße der Tage auch nur einen einzigen ohne seinen Geschmack ertragen?
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Ich erinnere mich an jene Nacht, in der ich durch dein Weinen erwachte. Ich schlich hin, um verstohlen durch deine Zimmertür zu lauschen und zu spähen.
Du hast geschrien:
- Verstoß mich!
Ich beobachtete, wie er aufstand, seinen stattlichen Dolch holte und sich wie ein Ungeheuer auf dem Höhepunkt seines Rausches auf deinen ausgestreckten Körper stürzte.
Ich beobachtete, wie er deine Schenkel mit seinen Knien ruhigstellte, seinen Dolch an deine Kehle setzte und sagte:
- Niemals! Ich soll dich verstoßen? Eher reiße ich dich in Stücke! Du bist ja noch verrückter geworden! Du hast vergessen, wer du bist, statt deinem Gott zu danken, dass der berühmteste Arzt im Land sich dazu herabgelassen hat, dich zur Frau zu nehmen!
Du hast gezittert in diesem Moment. Die Tränen strömten dir aus den Augen, ohne dass du außer einem beängstigenden Keuchen auch nur einen einzigen Laut von dir gabst.
Du hattest große Angst!
Dann stand er auf und wanderte mit seinem Dolch hinunter zu deinen entblößten Schenkeln … und mit jeder Beleidigung, die er dir entgegenschleuderte, bohrte er seinen Dolch hinein und hinterließ ein Erinnerungsmal. Vielleicht versuchte er damit, jeden einzelnen Kuss auszuradieren, für den er seine Nase in diese heiligen Gefilde hatte herabwandern lassen.
Kurz darauf beendete er seinen Wutausbruch mit den Worten:
- Du hast noch nicht einmal Mitleid verdient! Du bist zu wertlos, als dass ich dir erlauben würde, das Ansehen meiner Tochter zu diskreditieren, indem man sie die „Tochter der Geschiedenen“ nennt. Die Zukunft und der Ruf meiner Tochter dürfen nicht beschmutzt werden!
Seit jener Nacht bin ich in deine Feigheit gekleidet und ahme ihn in seinem schauspielerischen Talent nach.
Wärst du vor Gericht gegangen, hättest du den Prozess sofort gewonnen, sobald der Richter deine Schenkel gesehen hätte.
Aber vielleicht haben die Dolchstiche die Adern deiner Seele durchtrennt und sich mit deinen Stimmbändern verschworen, um uns deiner Stimme für immer zu berauben.
Du bewegtest dich mit einer düsteren Seele … du wurdest zu einer wandelnden Statue, die ihre häuslichen Pflichten in lärmender Stille verrichtet.
Die nicht lacht, nicht weint, nicht spricht, nicht leidet.
Allein mein Vater war es, der mir zulachte und mit mir spielte. Ich war sein ideales Spielzeug. Ich reagierte auf ihn, ich lachte, wenn er lachte, und schwieg, wenn er schwieg. Und ich stellte mich schlafend, wenn er mir befahl, schlafen zu gehen … aus Angst vor dem „Dolch meines Vaters“, von dem niemand wusste, dass ich ihn gesehen hatte, außer mir selbst.
Wirst du mir verzeihen, wenn ich dir gestehe, dass ich deinen Gebetsteppich und deinen Koran absichtlich versteckt habe, damit du sie los bist? Ich hasste deinen Masochismus, wenn du unbedingt noch mehr Korane und Gebetsteppiche kaufen wolltest und ich dann mitansehen musste, wie es dich beim Beten oder Koranlesen zerreißt. Ich habe dein Weinen nicht verstanden, weil ich niemanden gesehen habe, der dir seinen Dolch in den Körper stößt.
Meinen Vater habe ich nie so weinen sehen wie dich, und ich war mir sicher, es lag daran, dass er nicht betete und keinen Koran las. Und da ich Angst hatte, so schwach und weinerlich zu werden wie du, wollte ich wie mein Vater sein. Deshalb betete ich nicht und habe beschlossen, niemals im Koran zu lesen.
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Heute habe ich dir bewiesen, dass ich nicht mehr klein bin, seit du mich zur Waise gemacht hast - ohne eine gute Fee, die mir Ratschläge erteilt, und ohne Vögel, die für mich singen, und ohne Haustiere, die mir dabei helfen, meine Racheakte, die ich plane, auszuführen.
Ich war niemals eine Jugendliche.
Ich bin dein Mädchen, das unversehens erwachsen wurde, ohne eine Mutter, die ihr Geschichten erzählte, aber mit einem Vater, der viel darüber sprach, wie sehr er als Psychiater seine Frau bemitleide und der wisse, wie er mit ihren Verletzungen umzugehen habe; wie er der einzigartige Mann sei, der sich um die seelische Gesundheit seiner Tochter kümmere, damit sie nicht die psychische Störung ihrer Mutter erbe. Der ständig Hiobs Geduld rühmte, die er aufbringe, um sein Leben treu an der Seite einer Verrückten wie dir fortzusetzen.
Wie sollte ich ihm glauben? Ich, die niemals wach lag, um mir einen Ritter für meine Träume auszudenken, sondern um gegen das Fieber der Erinnerungen anzukämpfen, das das Echo deines Weinens entfachte, dieses Weinens, das mein Vater mit einer nervös gesetzten Spritze erstickte … und dabei mein Herz zusammen mit deinem Körper durchbohrte.
An jenem Abend verbrannte mich die Eifersucht auf dich. Kaum war er nach Hause gekommen, hatte mein Vater dir eine Tüte mit Parfüm, einem Kleid und anderen Dingen, an die ich mich nicht mehr erinnere, hingeworfen und dir befohlen, sie anzulegen. Dann zog er mich fort, machte mir mein Abendessen und brachte mich ins Bett. Ich spielte die Rolle des schlafenden Mädchens und perfektionierte sie sogar, indem ich die Decke mit Füßen trat, damit mein Vater beruhigt zu dir ging. Ich beherrschte die Schauspielerei mit ungeahnter Professionalität. Als das Licht ausging, schlich ich – wie üblich – hinaus, um zu lauschen und zu spähen.
Ich war gespannt darauf, dich in deinem neuen Kleid zu sehen. Du hattest eine magische Gabe, dich zu schmücken, dich in eine verführerische Nymphe zu verwandeln. Die Chemie deines Körpers reagierte auf jedes Parfüm, das mit ihm in Berührung kam, und verlieh ihm einen himmlischen Duft.
Ich hörte deine Zähne klappern und seine Stimme, die dich anfuhr:
- Gefalle ich dir etwa nicht mehr? Hast du einen anderen ausprobiert?
Dann, mit einem Schlag von ihm, kamen deine Zähne zur Ruhe, und ganz allmählich wurde sein erregter Atem hörbar.
Damals war mir nicht bewusst, dass er noch einen anderen Dolch besaß, mit dem er deine Weiblichkeit massakrierte. Was geschehen war, kümmerte ihn erst, als es ihm nicht gelang, dich aufzuwecken.
Wusste der Arzt, was dein dreißigjähriges Herz in sein ewiges Schweigen hatte sinken lassen, als er deinen Totenschein ausstellte?
Und betrachtet das Gesetz dies als vorsätzlichen Mord oder als Totschlag?
Wäre es nicht gerecht gewesen, zumindest die Tatwaffe zu beschlagnahmen?
Ich schlich durch dein Zimmer wie ein Polizeihund auf der Suche nach einer Spur von dir, aber ich fand nur Kajalreste, die deine Tränen herausgespült und die sich auf deinem Kopfkissenbezug festgesetzt hatten, bevor dein Herz seinen Dienst aufkündigte. Ich bewahrte die Reste deines Kajals und deiner Tränen im Bezug des Kissens auf.
Damals hörten die Schwärme meiner Träume auf zu zwitschern, ihre Flügel fielen herab, und die Welt drehte sich um mich.
Dein Leichenzug löste eine Störung in meinem Gehirn und Herzen aus und versetzte mein emotionales Rückrat ins Wanken.
Ich brachte nicht den Mut auf zu weinen, bis ich sah, wie selbst mein Vater vor den Leuten klagte. Ich beobachtete ihn und weinte wie er. Und kaum hörte er auf zu weinen, schluckte ich, aus lauter Angst vor der Zuwiderhandlung, meine restlichen Tränen hinunter.
Ich erhielt die Kraft, meinem Lachen durch meine Tränen hindurch eine Brücke zu schlagen, ohne mich zu schämen. Sie sollten nebeneinander existierten, mit einer Flexibilität, die der deiner Seele glich, die mich auch nun noch mit Leben tränkte, als ich mich nurmehr an sie erinnerte.
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Mein Vater bezeichnete mich gerne als die Erbin seiner Klugheit. Dann brachte er dir und mir gegenüber seine Liebe zum Ausdruck, indem er uns beiden schmeichelte. Er sagte zu mir, ich hätte deine Schönheit geerbt, zusätzlich zu dem Muttermal, das ich von ihm gestohlen hätte, gleichsam als hätte er mir damit eine private Besitzurkunde auf die Wange gedrückt.
Aber dieses Muttermal ist kein göttliches.
Es ist ein Sediment, das sich im Tränenlauf abgesetzt hat; es hat sich gebildet wie ein Passierstempel von meiner vergangenen Herzensnot.
Und diese schöne Tätowierung auf meiner Brust ist keine künstlerische: Es ist deine alte Wunde, die sich durch das Blut so meisterhaft färbte, dass sie noch schrecklicher wurde.
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Ich wurde eine vortreffliche Schauspielerin in der Rolle der beruhigten Tochter eines professionellen Verbrechers, von dessen Verbrechen außer mir niemand Aufzeichnungen bewahrt. Mein Gedächtnis hat Talismane gespeichert wie Zeichen, deren Bedeutung ich erst in meinem Studium enträtselte. Ich vergaß, dir zu erzählen, dass ich all seinen Anforderungen gerecht wurde und mich sogar im gleichen Fachbereich spezialisierte wie er.
An diesem Tag …
wird mein Vater mir nachlaufen, um der Verteidigung meiner Abschlussarbeit beizuwohnen.
Ich habe ihm nichts über meine Forschung erzählt, es soll eine Überraschung für den Tag meiner öffentlichen Verteidigung sein. Ich warf ihm nur den Köder hin:
Gewidmet meinem Vater
dem wahren Helden meiner Forschung
dem Helden meiner Geschichte
und meines ganzen Lebens!
Und weil ich ihm heimlich den Dolch seiner Klugheit gestohlen hatte, hatte ich selbstverständlich ein weiteres Exemplar meiner Forschung angefertigt, um es einer Klage beizufügen. Meine Forschung handelt von all dem, was er dir antat, von den Medikamenten, die einzunehmen er dich zwang, und vom Kopfkissenbezug deiner letzten Nacht.
Kurz nachdem ich die Bestätigung erhielt, dass die gerichtliche Vorladung aufgrund meiner Klage gegen ihn bei ihm angekommen sei, habe ich gelächelt. Ich wurde gerufen, um ihm Erste Hilfe zu leisten und …

