Menu
Suche
Weiter Schreiben ist ein Projekt
von WIR MACHEN DAS
> Einfache Sprache Jetzt Spenden
Logo Weiter Schreiben
Menu
Suche

Weil die Liebe Zeit braucht

Asma Kready
Eine farbenfrohe abstrakte Malerei.
© Tamim Alsibai, Dreamers IV, Öl und Acryl auf Leinwand (2020)

Text anhören, vorgelesen von Melika Foroutan:

I Wenn die Liebe aufbricht

Weshalb verlangt die Liebe mehr als das?
Du tust doch alles ihretwegen,
siehst in ihr dein eigenes Kind.
Damit das Leben sich nicht zwischen euch schiebt,
wehrst du dich nächtelang gegen das Zufallen der Lider.
Unsere Momente der Furcht versuchst du zu vertreiben.
Du möchtest, dass ich groß und grenzenlos bin,
denkst immerzu darüber nach,
wie unser Leben beispiellos werden könnte,
während mir die Veränderung genügt.
Dann habe ich den Eindruck,
du seist von einem anderen Planeten.
Ein wunderliches Gefallen hab ich
am Entdecken unserer Gemeinsamkeiten.
Wir merken, dass die Distanz zwischen uns täglich schwindet.
Wir spüren, wie unsere Stimmen kraftlos werden.
Und wenn du tief und fest schläfst
oder wie verrückt durch den Tag läufst,
dann hängt dein Hemd des Nachts glücklich in meinem Schrank
und meine Lippen drücken sich an deinen Spiegel,
jeden Morgen und jeden Abend.
Während die Schatten deiner Bekanntschaften mich nicht beschäftigen,
findest du nichts vor außer dem leeren Raum meines Daseins,
damit du ihn umfassen und einschlafen mögest.
Du hast viele Träume von dieser Liebe,
während ich mit dem Bisschen von dir immer zufrieden bin.

 

II Wenn die Liebe ankommt

Nun ist sie doch da, die Liebe.
Der Mann, nach dem ich mich Jahre sehnte,
schläft nun an meiner Seite.
In schweren Zeiten streicht seine Hand über meine
und beim Nennen meines Namens bricht seine Stimme nicht mehr.
Die Schmetterlinge, die sich in meinem Bauch tummelten,
haben sich letzthin beruhigt.
Die Liebe hat sanftere Formen angenommen.

Ich stehe in der Küche und bereite Kaffee für ihn zu.
Er ist bei mir und erzählt von seinem Tag,
in dem es Ärger gab, aber mehr noch zum Lachen.
Sein Hemd, das so lange in meinem Schrank blieb,
liegt unbekümmert bei der Wäsche,
die seit Tagen darauf wartet, gebügelt zu werden.
Meine Lippen drücken sich jetzt auf sein Gesicht.
(Dass sich Spiegel vor ihn drängen, erlaube ich nicht mehr.)
Obgleich ihm sein Schlaf fast heilig ist,
macht es nichts, wenn ich ihn um vier Uhr nachts wecke
und ihm zuflüstere: „Unsere Tochter hat ihren ersten Zahn bekommen.“

Nun ist sie doch da, die Liebe …
Ein Mann, der die Rosen und Teddybären trägt, wie er das Brot trägt.
Ein Mann, den du umarmst nach dem Sturz des Diktators.
Ein Mann, mit dem du die Freuden und Pflichten des Lebens teilst.
Nicht einen Tag bereust du, dass du diesem Mann ein Kind gebarst.

Nun ist sie doch da, die Liebe.
Nun schläft er wirklich an meiner Seite.

– Eine andere BerührungLesenهطول آخر
– Wolken, die mich für einen Baum halten - Vier GedichteLesenالغيوم التي تظنني شجرة – أربع قصائد
– Der Mann im HausLesenرجل البيت

Datenschutzerklärung

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner