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Der ungeschriebene Brief

Mahtab Yaghma
Eine Kollage , die einen Frauenkörper zeigt, ein Geldstück und Acrylfarben.
© Sevil Amini, ohne Titel, mixed media, Anfertigung zum Text (2025)

Gedicht anhören, vorgelesen von Melika Foroutan:

Nun, jenen Brief, den ich dir nie geschrieben habe
Den roten Kuss, den ich fort aus dem Fenster blies
Den Satz, den ich dir niemals zugeflüstert habe
Versiegelt hab’ ich sie, da ich sie schweigen ließ

In Tränen aufgelöst, bin ich im Bad zerflossen
Vom Mund ab hab’ ich mir die Küsse dein gewaschen
Von deinem Duft, von deinem Hemd, von deinem Lachen
Von dir hab’ ich bei Tag und Nacht mich reingewaschen

Den Fenstern und der Tür biet’ ich zu rauchen an
Verrückt bin ich und nach der Flasche greif‘ ich
Die Stufen stolper’ ich hinunter in den Hof
Auf dich und unsre Liebe pfeife ich

Entsagend packe ich die Koffer, reise ab
Vor aller Augen tue ich die Augen auf
Mit Küssen, Herzen, Schmusen, aber ohne dich
Jetzt biet’ ich Waren auf der Straße zum Verkauf

Ein Eis am Stiel bin ich, das auf die Straße fiel
Ameisenstraßen schlecken mich vom Boden nun
Als nackte Frau, umarmt von Straßen, warte ich
Dass alle sich an meinen Reizen gütlich tun

*

Nun, jenen Brief, den ich dir nie geschrieben habe
Stumm last du ihn und bliest ihn durch das Fenster fort
„Ich liebe dich“ ist fortan mir verwehrt zu sagen
Verdammt zum Schweigen ist jetzt jedes Liebeswort

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