Omar und Kristine - der besonnene Blick auf die politischen und gesellschaftlichen Zustände verbindet die beiden und ihre frühe Auseinandersetzung mit Heinrich Böll: Omar anhand von Übersetzungen seines Vaters im Irak, Kristine als deutsche Schülerin in den USA.

Kristine Bilkau über Weiter Schreiben

„Ich möchte, dass die Geschichten der Menschen, die Krieg und Flucht erleben mussten, zu uns durchdringen, dass wir sie lesen, uns mit ihnen auseinandersetzen, um zu verstehen und um uns miteinander zu verbünden. Schreiben und gelesen werden, erzählen und gehört werden – an dieser Verbindung möchte ich mitwirken.“

Kristine Bilkau über Omar Al-Jaffal

Berlin, Bagdad, Düren

Es ist Ende Mai, früh am Abend, die Sonne brennt noch so kräftig wie am Nachmittag, 33 Grad zeigt die Wetter-App an. Omar Al-Jaffal schaut auf den blau leuchtenden Wannsee, dann in die blendende Sonne. „This is not Berlin. This is Bagdad!“, sagt er, den Blick weiter zum Himmel gerichtet.

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Ein Gespräch zwischen Kristine Bilkau und Omar Al-Jaffal, geführt zwischen September 2020 und Januar 2021

Kristine Bilkau: Lieber Omar, du hast einen großen Teil des vergangenen Jahres als Stipendiat im Schloss Solitude verbracht, um dort zu schreiben. Solitude – Einsamkeit, Abgeschiedenheit –, das ist für uns Autor*innen bisher immer ein wohlklingendes, sehr willkommenes Wort gewesen. Doch in einem Jahr, in dem wir uns mehr zurückziehen mussten, als wir wollten – wie hast du diese Zeit empfunden?

Omar Al-Jaffal: Die Monate im Schloss Solitude waren trotz allem eine gute Zeit für mich, es war gut, mit verschiedenen Künstlern aus verschiedenen Ländern zusammenzuleben, verschiedene Sprachen zu hören. Grundsätzlich ist es so, dass mir Rückzug nicht mehr schwerfällt. Durch meine ersten Jahre in Deutschland, wo ich anfangs nur wenige Menschen kannte, habe ich gelernt, tagelang zu Hause zu sitzen, ohne mich viel zu bewegen. Und ich gebe ehrlich zu: Ich habe das Leben des Frosches lieben gelernt, der in einem Sumpf sitzt und sich kaum rührt!

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