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Geburtstagsstück 

Karima Shabrang
Ein Fernseh-Testbild aus senkrechten Farbbalken in blassen Pastelltönen: Grau, Gelb, Hellblau, Grün, Flieder, Rosa und Blaugrau, darunter schmale Streifen und Blöcke in Grau, Rosa, Hellblau und Weiß. Über der rechten Bildhälfte liegt ein schwarzer, körniger Fototransfer mit verwischten Rändern. Darin lässt sich schemenhaft eine Gestalt mit dunklem Haar erahnen, deren Umrisse sich auflösen.
© Alma Sinai, „Where my past expires in a deed“, Fototransfer eines Videostills auf Pergamentpapier (2015)

Wie leicht werden einem hier

die Lügen zur Gewohnheit

Dich zu sehen

dich wiederzufinden

musst du ganz nah vor den Spiegel

Wie augenfällig sie dann sind

und wie verarmt und ausgehungert dein Lachen

In langer Nacht hat es sich verkühlt

 

In deinem Zimmer suchst du Zuflucht

Nicht einen Teppich hast du von deinem Vater geerbt

seine alten Blumen zu betrachten

zwischen seinen Fasern

in der Geschichte zu blättern

So schaust du bloß rissige Wände an

und draußen den kalten Winter

Ach, alle Unreinschriften deiner Gedichte

könnten den schneidenden Wind nicht abschirmen

Wie viele Sonnen lassen sich in einem Winter erbetteln?

Bist du einmal hier

gewöhnst du dich ans Lügen

 

Als Kind verstand ich die Sprichwörter nicht

aber ich fühlte, ich hätte

„mir die Wangen rosig zu schlagen“

wenn meine Eltern stritten

Durch die Lüge jedoch weiß ich

Erröten entblößt Wahrheit

Besessen habe ich nie etwas

Der Geist immer hungrig, durstig die Augen

Ich sprach mit niemandem darüber

Verbarg meine Armut

hinter gefletschten Zähnen

 

Mein Bruder war traumsüchtig

Ich wickelte mich in seine Wolldecke

in meinen verfrorenen Gedanken

einen Knoten aufzutauen

War einmal etwas Wärme darin

wagte ich zu fragen:

Warum lügt Hafez uns an?

„Dein verlorener Joseph, er wird zurückkehren in das gelobte …“ – geliebte Land

Auch dieses Jahr zelebriere ich

einen Irgendundzwanzigsten

mit meinen augenfälligen Lügen

Sie sind vielleicht das einzige Erbe dieses Landstrichs

Hofft mit mir

dass unsere Zeiten keine Aischa kennen

Aischa, die jede Nacht Jungfrau war

 

Aber, meine glücklichen Leser,

macht eure Nächte mit meinen Worten zum Tag!

Meine Worte

sind ewige Jungfrauen …

– [Ohne Titel]Lesenبدون عنوان

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