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Ein kleines großes Fest

von Svenja Leiber

Berlin trägt Mütze. Hier und da liegt noch ein vertrockneter Tannenbaum im Dreck, als Hundeklo, ernüchternd, eine Straßenszene der Konsumgesellschaft, bald wird sie abgeräumt, Bühne frei für die Frühjahrssaison.

Ich gehe herum und betrachte meine Stadt, wie ich meine Wohnung betrachte, bevor Besuch kommt. Denn sie kommen. Endlich.

Nach Jahren des Wartens ist die Residenzpflicht aufgehoben und Noor und Galal dürfen sich bewegen. Und sie bewegen sich! Die absurde Fesselung an einen nicht frei gewählten Ort hat endlich ein Ende. Irgendwie entfacht dieser Umstand in mir ein feierliches, ja triumphales Gefühl. Obwohl alles offiziell und nach den üblichen Regeln abläuft, habe ich das Empfinden, ein Kampf sei gewonnen. Das Lebendige, das Biografische habe das Grafische der tausend Papiere besiegt. Noch dazu ganz plötzlich.

Eine der Glücksfeen in dem Stück war der Verleger Joachim von Zepelin. Mit seiner Hilfe fand sich nicht nur ein Stipendium für Noor, sondern er brachte auch noch das Wunder zustande, in kürzester Zeit eine Wohnung und einen Kindergartenplatz zu finden.

„Ich glaub einfach dran“, war sein bescheidener Kommentar.

Wir treffen uns alle in einem Café in Weißensee. Neben Noor, Galal und ihrer Tochter Eve, sind Christiane Lange vom Haus für Poesie, Katrin Thomaneck von der Allianz Kulturstiftung, Joachim von Zepelin und Tanja Dückers dabei.

Als wollte sie ein letztes Mal die Macht der Verhinderung demonstrieren, versichert uns die Kellnerin des leeren Restaurants, es sei nicht möglich, ohne Reservierung mit so vielen Leuten dort zu sitzen. Wahrscheinlich ist es wieder Joachim von Zepelins Glaube, der sie umstimmt, denn am Ende feiern wir bei einer Tasse Kaffee doch dieses kleine große Fest. Das verschmitzte Fest derer, die an die Literatur glauben und daran, dass sie die Welt verändert. Denn letztlich war sie es, letztlich waren es Noors und Galals Gedichte, leichtfüßige Texte, die stärker waren als die Macht von Grenzen und Gewalten, als die Macht überhaupt. Diese kleine, bewegliche, scharfzähnige Literatur, die wie eine Maus ins gepanzerte Goldhaus Europa und eine seiner Metropolen geschlüpft ist. Das macht glücklich. Cheerio!

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