Aufwirbeln
von Rabab Haidar
Aus dem Englischen von Sylvia Geist
Wirbelnde Treppenstrudel
Erklimme ich im Rauch.
Türmchen,
Torheiten auch.
Ein kleiner Schrein.
Über den Havelfluss
richte ich den Blick:
Eure Laternen blinkern
Ihr flackerndes Licht
Zum Zeichen: Ihr seid mein,
Zum Zeichen: Ihr seid mein.
Das war ein Lied des Bänkelsängers,
Das in Vergessenheit geriet.
Nicht aufgeschrieben, ging es verloren.
Hände hinterlassen keine Spur im Wasser,
Doch ein Wort tut es.
Ein Wort_
Gewebt, verknotet,
In allem, was fließt:
In Wasser und Luft, Seelen und Geistern,
Sehnsüchten oder Wünschen,
Zart,
Durchsichtig,
Gläsern …
Deine Geschichte und meine fallen nun zusammen.
Ich, einst Alchimist,
Prophet des Feuers und der Elemente!
Jetzt hinbefohlen
Zu deinen Sehnsüchten und Wünschen,
Atme ich meine Worte in die Perlen, die ich blas',
Strömendes, rasendes, glühendes Glas,
Rubinrot wie die Farbe des Traums,
Geträumt mit offenen Augen.
Ein Tropfen,
Ein Kuss,
Ein Schluck!
Ein guter Rat:
In einem Wachtraum
Enthüllt, was zu sein eine wählt, was sie nicht ist.
Nun lass den Traum beginnen …
Verzauberte Versprechen fallen ein in die Luft,
Getauft in Wasser,
Herzitiert von einem Bannspruch
Durch ein schwimmendes Gebet.
Davon, Euer Gnaden, drei Schluck!
Oder auch ein Kuss auf meine Lippen,
Sonst nehmt eine gläserne Perle,
Schluck!
Und du sollst gekrönt werden
Zur Herzkönigin.
Öffne die Augen.
Schau!
Ein Schloss, ein Türmchen, eine Fassade!
Ruiniert durch die Lasten von Wind und Zeit …
Und doch nicht!
Ein Schloss aus Spielkarten,
Aus Holz und Lehm und weißem Tuch.
Exotische Inseln. Palmen
Aus dem fernsten Osten – auf einer Mauer.
Pfade führen zurück dorthin, wo man begann,
Römische Brunnen,
Persische Blumen, oder vielleicht aus Frankreich!
Die Glashütte mit loderndem Feuer
Und wirbelndem Rauch.
Verzauberte Pfauen,
Laute, krähende, klagende Rufe.
Warnungen!
Vor dem kommenden Schwinden der Jahreszeiten …
Hände hinterlassen keine Spur im Wasser,
Aber ein Wort tut es.
Wie verbotene Liebe.
Ein warmes Häuschen mit Holz und Feuer.
Treppenstrudel, aufwärts …
Herzkönigin in einem Schloss aus Karten,
Ein guter Rat:
Was eine wählt, enthüllt, was sie nicht ist.
Nun lass den Traum beginnen …
Jenseits des Banns hat die Liebe keinen Ort, keinen Segen!
Jetzt drei Schluck von meinem Zaubertrank,
Einen Kuss auf meine Lippen
Oder eine rubinrote Perle.
Schluck.
Der Traum ist gegenwärtig.
Ein Wachtraum,
Lernen wir mit offenen Augen
Zu überleben,
Was Alpträume
aus gebrochenen Herzen schlagen.
Die Herrscherin
Wird die kommenden Länder erobern, mein Liebes,
Wenn dein Liebster fort ist.
…
Ich, einst Alchimist,
Prophet des Feuers und der Elemente!
Aber jetzt, meine Königin, in einem Tagtraum:
Schluck nur eine Rubinperle
Oder küss mich auf den Mund,
Sonst nimm drei Schluck von meinem Glas.
Hier:
Eine Flüssigkeit, gebraut aus Bannsprüchen und Feuer
Kraft eines schwimmenden Gebets.
Wasser bewahrt von Händen keine Spur.
Aber, oh, ein Wort: das ja …
Wirbelnde Treppenstrudel
Erklimme ich im Rauch.
Türmchen,
Torheiten auch.
Ein kleiner Schrein.
Über den Havelfluss
richte ich den Blick:
Eure Laternen blinkern
Ihr flackerndes Licht
Zum Zeichen: Ihr seid mein,
Zum Zeichen: Ihr seid mein.
Weitere Texte von Rabab Haidar
Dieser Text entstand im Rahmen der Weiter Schreiben Intervention "Nothing is what it seems" am 13. September 2025 auf der Pfaueninsel.
Zurück