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Alles, was es zu sagen gilt, und das Sagbare liegen auf dem Weg von mir zu dir

 

Berlin, 28. November 2023

Lieber Reber Yousef,

du beginnst deinen Brief formell, indem du meinen ganzen Namen ansprichst und nicht allein den Vornamen nennst. Ich finde das ehrlich, denn wir kennen uns nicht, deshalb folge ich deinem Beispiel, schlage aber vor, dass wir ab jetzt, ab unserer ersten Begegnung Reber und Deniz sind. Wir sind nicht zusammengekommen, man hat uns zusammengebracht. Ich kenne einen winzigen Auszug aus deinem Roman „Die Tuberkulose-Frauen“ und habe einen Brief von dir erhalten, der für mich übersetzt wurde. Du hingegen weißt von mir noch gar nichts. Nun beginne ich diesen Brief und stelle mir vor, dass ich ihn dir morgen bei unserer ersten Begegnung vorlese, vor einem Publikum, denn auch unser erstes Aufeinandertreffen ist formell, es ist Teil einer öffentlichen Lesung. Ist es nicht bezeichnend, dass diese Worte nur dir gelten, du aber der Einzige im Raum bist, der sie nicht ganz verstehen kann?

Etwas verstehst du wohl doch, einige Worte und Sätze, jemand flüstert dir vielleicht eine Übersetzung ins Ohr, du siehst meine Haltung, hörst meine Stimme, spürst die Reaktion der Zuhörenden – ich schicke etwas los, das dich erreichen soll, du hingegen empfängst ein anderes, und ich schätze genauso funktioniert Schreiben: Alles, was es zu sagen gilt, und das Sagbare liegen auf dem Weg von mir zu dir. Auf einem Feld, das wir durchqueren in den ersten Augenblicken der Morgendämmerung, vielleicht übernächtigt und der Fähigkeit beraubt, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden, vielleicht eben erst unruhig aufgewacht. Die Schafe sehen nicht so aus, als würden sie zur Arbeit gehen, sie haben alle Zeit der Welt.

„Die ersten Augenblicke der Morgendämmerung, als wir die Felder durchquerten“ – diesen Titel hast du deinem Brief an mich gegeben, ohne zu wissen, vermute ich, dass der zweite Roman, den ich geschrieben habe, den Titel trägt: „Gegen Morgen“. Denn ja, auch ich kenne die Schlaflosigkeit gut. Du schreibst, du bist schlaflos aus Angst um deinen Vater, für den eine Fahrt aus Hasaka nach Damaskus, notwendig für eine Operation am Auge, derart gefährlich sein kann – ich frage mich, wie lange habt ihr euch nicht mehr gesehen? Meine Schlaflosigkeit habe ich von meinem Vater geerbt, wachte er doch stets gegen vier in der Früh auf, weshalb ich die ersten Augenblicke der Morgendämmerung mit dem Geruch von Kaffee verbinde und dem gurrenden Geräusch der Filtermaschine und einem Menschen, allein in einem Raum.

Du benennst den Grund deiner Schlaflosigkeit: Angst. Ich weiß nicht, ob das auch für mich gilt. Jedenfalls gibt es Nächte, in denen ich panisch aufschrecke. Jedenfalls bleibt der Schlaf fern, weil das Herz rast. Manchmal hält mich die Sorge um meine Freunde wach, die sich nicht sicher fühlen in den Straßen, die unsere sind und die niemandes sind. Manchmal hält mich die Ferne derselbigen Freundinnen wach, manchmal meine eigene Ferne zu ihnen oder zu unseren Straßen, niemandes Straßen. Wenn ich mich in der Selbsttäuschung üben muss, um Schlaf zu finden, ist dann der Wille zur Wahrheit lebensfeindlich? Das weiß ich nicht, aber ich kann sagen, dass ein schlagendes Herz, und sei es voller Unruhe, ein lebendes Herz ist. Unbekannter Freund, wer die Wahrheit sagt, geht nicht. Es ist umgekehrt, seine Ankunft misst sich an seiner Fähigkeit, Enttäuschung zu ertragen. Drückt die Suche nach Wahrheit nicht auch einen Wunsch nach einer stärkeren Anwesenheit im Leben aus und ist das Schreiben nicht gerade deshalb eng verknüpft mit dem Lebendigen?

Und wenn sich das gesunde Auge in die Welt öffnet und was es sieht, ist Krieg?

Ich denke, hier endet das Sprechen. Ich denke, hier beginnt das Zuhören. Das Schreiben kann das: zuhören, Ohrworte finden anstelle von Zungenworten. Ich kann dir sagen: Ich sehe deinen Vater in jenem Wagen, sehe, wie man ihn fotografiert, damit sein Sohn weniger besorgt ist, sage dir, ich schaue mir das Bild wieder und wieder an, das du in meinem Gedächtnis erzeugt hast, sage dir, ich empfinde die Sorge des Sohnes nach – nicht deine Sorge, denn die kennst nur du. Was ich empfinde, ist meine eigene Sorge an deiner statt. Ich stelle mir meinen Vater vor (nicht deinen), in jenem Auto, ich stelle mir meine Stadt vor, zu der ich nicht kann, meine eigene Verzweiflung, weil ich nicht für meinen Vater da sein kann. Ich sehe mich in der Fremde, während meine Straßen niemandes Straßen werden, durch die jetzt mein Vater fährt mit zufallendem Auge. Und während er fährt, werde ich er, im Rückspiegel sehe ich eine Sorgenfalte, gegen die ich nicht mehr ankämpfe – eine glatte Stirn deutet auf Unempfindlichkeit hin.

Auf niemandes Straße habe ich an meine Freunde gedacht, die in Not sind, denn der dort ruhig über die Straße geht / Ist wohl nicht mehr erreichbar für seine Freunde / Die in Not sind? In einer Welt, die sich verengt. Und in der das eigene Gesichertsein Zufall ist oder Willkür – das soll sich jeder klar machen.

Lass diesen Brief eine Ohrmuschel sein für deine Worte. Erzähl mir von Rheine oder Hasaka. Oder von jenem unsichtbaren Ort, von dem die Worte kommen.

Es ist spät, die ersten Augenblicke der Morgendämmerung sind nicht fern und ich muss diesen Brief an dich unterbrechen – oder schicke ich ihn so schon ab? Nur eins möchte ich dir vorher noch sagen: Das Wort für Lid als ein Teil des Auges klingt im Deutschen genauso wie das Wort Lied, das Song bedeutet. Und ich muss bei der Formulierung „Die Lider wurden mir nicht schwer“ unwillkürlich auch an Musik denken. Kann der Satz für Kummer stehen, Kummer, der so groß ist, dass er uns den Schlaf raubt, und gleichzeitig von einem Traum erzählen, in dem kein Lied so traurig sein kann, dass mir das Herz schwer wird – allein, weil es noch schlägt?

Deniz

***


كل ما يجب أن يقال وما يمكن أن يقال هو في الطريق مني إليك

عزيزي ريبر يوسف،

تبدأَ رسالتك بصيغةٍ رسميةٍ، ذاكرًا اسمي كاملاً وليس الأول فقط. أجِدُ ذلك صادقًا، فنحن لا نعرف بعضنا البعض، لذا سأحذو حذوكَ، ولكني أقترح أنْ نخاطبَ بعضنا البعض من الآن، وابتداءً من لقائنا الأول، بريبر ودنيز. نحن لم نجتمع، بل جُمعنا معًا. وأنا أعرف مقطعًا قصيرًا جدًا من روايتك "نساء السّل" وتلقيتُ رسالةً منك تُرجمت لي، بينما لا تعرف أنت عني شيئًا بعد. الآن أبدأ بخطِ هذه الرسالة وأتخيلُ أني أقرؤها لك غدًا أثناء لقائنا الأول، أمام جمهورٍ. وهذا اللقاء رسمي أيضًا، فهو جزءٌ من جلسة قراءة عامة. أوليس لافتًا أنَّ هذه الكلمات موجَّهةٌ لك وحدك، لكنكَ الوحيد في القاعة، الذي لا يستطيع أن يفهمها تمامًا؟

لكنك تفهم بعض الكلمات والجمل، وثمة من يهمسُ لك بالترجمة، وأنت ترى هيئتي، تسمع صوتي، تلمس استجابة المستمعين – أنا أرسلُ شيئًا ما، من شأنه أن يصلكَ، بينما أنتَ تستقبل شيئًا آخر. أخمنُ أنَّ الكتابة تعمل هكذا تمامًا: كل ما يجب أن يقال وما يمكن أن يقال هو في الطريق مني إليك. في حقلٍ، نعبُرُه في لحظات الفجر الأولى، ربما نكون قد سهرنا الليل، مجرَّدين من التمييز بين الحلم والحقيقة، وربما نكون قد صحونا للتو مضطربين. لا تبدو الخِراف وكأنها ذاهبة للعمل، بل لديها كل وقت العالم.

لحظات الفجر الأولى، حين عبرنا الحقول – هكذا عَنوَنْتَ رسالتك التي وجهتها إلي، دون أن تدري، على ما أظن، أن الرواية الثانية التي كتبتُها، تحمل العنوان: "على تخوم الصباح"، إذ نعم، أنا أعرف الأرق حق المعرفة. تقول إنك لم تنم بسبب الخوف على والدِك المضطر للسفر من الحسكة إلى دمشق لإجراء عملية جراحية ضرورية لعينه، سفرٌ يمكن أن يكون خطيرًا إلى هذا الحد – أتساءل، منذ متى لم تريا بعضكما البعض؟ وأنا بدوري ورثت الأرق عن والدي، الذي كان يصحو لعمله باكرًا بحدود الساعة الرابعة فجرًا، ما جعلني أربطُ لحظات الفجر الأولى برائحة القهوة وخرخرة ماكينة القهوة المُفلترة وشخصٍ وحيدٍ في غرفة.

أنت تذكر سبب أرقك: الخوف. لا أعرف إن كان الأمر ينسحب علي. على أية حال هنالك ليالٍ أصحو فيها مذعورًا، ويبقى النوم قصيًا لأن القلب يخفق سريعًا. أحيانًا يُبقيني القلق على أصدقائي يقظًا، أصدقاء لا يشعرون بالأمان في الشوارع، التي هي لنا وليست لأحد. وأحيانًا يُبقيني بُعدُ الصديقات[1] يقظًا، أحيانًا بُعدي أنا عنهن أو عن شوارعنا، شوارع لا أحد. حينها يكون علي ممارسة خداع الذات لكي أجد سبيلاً للنوم، هل تكون إرادة الحقيقة معادية للحياة؟ لا أدري، لكن يسعني القول إن القلب النابض وإن كان مفعمًا بالاضطراب، هو قلبٌ حي. أيها الصديق المجهول، من يقول الحقيقة لا يرحل. بل بالعكس: وصولُه يُقاسُ بمدى قدرته على تحمُّل الخيبات. ألا يُعبِّرُ البحث عن الحقيقة عن رغبة بحضورٍ أقوى في الحياة أيضًا، أوليس لهذا تحديدًا ترتبط الكتابة ارتباطًا وثيقًا بالحَيَويَّة؟

وإذا انفتحت العين السليمة على العالم، فما الذي تراه غير الحرب؟

أظن أنَّ الكلام ينتهي هنا. أظن أنَّ الإصغاء يبدأ هنا. الكتابة قادرة على هذا: الإصغاء، إيجاد كلمات للأذن مكانَ كلماتِ لسان. يمكنني أنْ أقول لك: أرى والدك في تلك السيارة، أرى كيف تـُلتقط له صورة، لتخفِّف قلق ابنه، أقول لك إني أعاين الصورة مرارًا وتكرارًا، الصورة التي ولَّدتها أنت في ذاكرتي، أقول لك إني أحسُ بقلق الابن – ليس قلقك، فليس غيرك من يحس به. ما أحسُ به هو قلقي أنا بدل قلقِكَ. أتخيلُ والدي (لا والدك) في تلك السيارة، أتخيلُ مدينتي التي لا أستطيع الوصول إليها، وحيرتي أنا، لأني لا أستطيع أن أكون سندًا لوالدي. أرى نفسي في الغربة، بينما شوارعي تصير شوارع لا أحد، ووالدي يسافر فيها الآن وعينه تغمض. وبينما هو يسافر أستحيل أنا هو، في المرآة أرى جعدةَ قلقٍ لا أقاومها – فـ الجبين الأملس يُشير إلى غياب الحساسية / الذي يقطع الشارع هناك بهدوء، يعصى التواصلُ معه على أصدقائه الذين هم في حالة حرجة؟

في شوارع اللاأحد فكرتُ بأصدقائي الذين هم في حالة حرجة. في عالم يضيق. حيث يكون الوجود الآمن صدفةً أو تعسفًا، لا بدَّ من أنْ يفهمَ كلٌّ ذلك.

دع هذه الرسالة تكون صوانًا لكلماتِك. احكِ لي عن راينهRheine  أو الحسكة. أو عن ذاك المكان الخفي الذي تأتي منه الكلمات.

الوقت متأخر، لحظات الفجر الأولى ليست ببعيدة وعلي أن أقطع كتابة هذه الرسالة الموجهة لك – أم أرسلها لك كما هي الآن؟ لكن قبل ذلك أريد أن أقول لك شيئًا: وقْعُ كلمة جفن Lid بالألمانية يكاد يماثل كلمة أغنية Lied. صيغة "لم يغمض لي جفن" تدفعني لا إراديًا للتفكير بالموسيقى أيضًا. هل يمكن لهذه الجملة أن تعبر عن غمٍّ شديد لدرجة أن يسرق النوم منا، وأنْ تحكي في نفس الوقت عن حلمٍ، لا يمكن أنْ تكون فيه أيُّ أغنيةٍ حزينةً لدرجة ينقبض فيها قلبي – ليس إلا، لأنه مازال ينبض؟

دينس

* ترجمة يوسف حجازي

[1]  [طريقة الكاتب للتعبير عن المساواة في النوع الاجتماعي (الجندر) هي في التبديل بين صيغة المذكر والمؤنث].

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