Salomé der Moderne
von Sam Zamrik

Salomé der Moderne
… verlangt keinen Kopf,
sondern etwas Brot
für heute, etwas Fleisch
und Süßes; für alle morgen
ein eigenes Zuhause.
Sieben neue Seidenschleier
für jeden Auftritt
verlangt sie und beim
Abgang eine leise,
sanfte Liebe, nach solch
lautem Beifall.
Ein fairer Lohn und etwas Grünes
inmitten des Betons,
von dem, was übrigbleibt,
um ihre Liebste
spontan zu verwöhnen.
Sie verlangt ein
erfülltes Leben
voller Würde.
Keine übergriffigen Männerhände
oder Angst vor wiederkehrenden,
armseligen Braunhemden.
Als ganzer Menschen gesehen
zu werden, in einer Welt
voller vermenschlichter Menschen.
… also vielleicht doch einen Kopf.
Den Kopf eines reichen Herodes
oder eines neuen Germanicus,
denn sie können sich
sicher einen neuen leisten,
genau wie sie tagtäglich
die Leben anderer kaufen.
Dieser Text entstand im Rahmen der Weiter Schreiben Intervention "Als ganzer Mensch gesehen zu werden" am 6. November 2025 im Gropius Bau.
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