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Weiter Schreiben ist ein Projekt
von WIR MACHEN DAS
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Weiter Schreiben > Über uns

Im Mai 2017 haben wir mit Autor*innen aus Krisengebieten gesprochen und sie gefragt, was sie sich wünschen. Die Antwort, die wir am häufigsten gehört haben, lautete: Unsere Familien in Sicherheit bringen und „Weiter Schreiben“. Weiter schreiben zu können heißt aber auch weiter gelesen zu werden. Denn das Schreiben und das Gelesenwerden gehören zusammen. Man schreibt nicht für sich, man schreibt aus sich heraus. Für Autor*innen ist es elementar, dass der Prozess des Schreibens nicht abbricht. Schreiben ist nicht nur eine Kunst, es ist auch eine Lebensform, eine Art, die Welt wahrzunehmen, sich auf sie einen Reim zu machen und sich darüber in Beziehung zu setzen mit ihr. Das gilt für Autor*innen aus Krisengebieten in besonderem Maße. Für sie ist der Schreibprozess durch die politische Situation nicht nur unterbrochen, sondern manchmal sogar lebensgefährlich. Mussten die Künstler*innen ihr Land oder ihre Region verlassen, bricht ihnen zudem der eigene Sprachraum weg.

Im ersten Jahr „Weiter Schreiben“ haben wir über 50 Gedichte, Erzählungen und literarische Essays im Original und auf Deutsch publiziert und illustriert. Lina Atfah, Widad Nabi und Yamen Hussein veröffentlichen demnächst ihre ersten Bücher auf Deutsch, unsere Autor*innen lasen u.a. auf dem Blauen Sofa der Buchmesse, beim ilb, im LCB, dem Haus für Poesie und dem Kanzleramt. Das kanadische GOETHE-Institut hat Weiter Schreiben für 2018 auf die erste internationale Lesereise eingeladen. Ramy Al-Asheq, Lina Atfah, Rasha Habbal und Widad Nabi erhielten Stipendien. Lina Atfah sagt heute rückblickend: „Seit ich bei Weiter Schreiben mitmache, habe ich wieder Mut und Lust auf meine Zukunft“, und der jemenitische Dichter Galal Alahmadi fügt hinzu: „Dass sich die arabisch- und deutschsprachigen Gegenwartsautoren so kennenlernen dürfen, ändert alles.“

Auch die Arbeit in den Tandems blüht und nimmt dabei ganz unterschiedliche Formen an: Widad Nabi und Annett Gröschner gehen miteinander durch den Prenzlauer Berg auf Spurensuche. Noor Kanj und Svenja Leiber freunden sich in einem Tempo und einer Zartheit an, die beide staunen lässt. Fady Jomar und David Wagner essen zusammen im Kreuzberger Café Bulbul und tauschen sich über alltägliche Dinge und das große Ganze aus, Ramy Al-Asheq und Monika Rinck übersetzen sich hin und her, Nino Haratischwili nominiert Lina Atfah für den Herta-Koenig-Nachwuchsliteraturpreis, Mariam Meetra und Antje Rávic Strubel gehen spazieren, Rabab Haidar sitzt im Internetcafé in Damaskus und macht Witze über den Geheimdienstmann hinter ihr, während sie mit Ulla Lenze skypt, Rasha Habbal und Nora Bossong suchen gegenwärtige arabische Literatur auf der Frankfurter Buchmesse, Olga Grjasnowa schreibt über Samuel Mago, Salma Salem und Saša Stanišić diskutieren über Salmas Texte zwischen einem geheim gehaltenen Ort in Syrien und Hamburg, Tanja Dückers dichtet die Übersetzungen von Galal Alahmadis Texten nach, Michael Krüger beginnt Texte von Ahamd Katlesh zu übersetzen. Die Anthologie mit ausgesuchten Texten und Illustrationen erscheint im Herbst 2018 im Ullstein Verlag.

Nun gehen wir ins zweite Jahr mit einer neuen Ausrichtung. Wir werden weiter Texte übersetzen, illustrieren und veröffentlichen, die unsere Vorstellungswelten erweitern, den transkulturellen Dialog vertiefen und Stereotype und Lesegewohnheiten durchkreuzen. Zusätzlich setzen wir verstärkt auf Qualifizierung. Um den Zugang zum deutschen Literaturbetrieb zu professionalisieren, organisieren wir zwei Workshops, in denen Verleger*innen, Lektor*innen, Agent*innen und Autor*innen von ihrer Arbeit und den Chancen und den Fallstricken des Berufs berichten. Der zweite neue Schwerpunkt liegt auf Lesungen mit Musik. Wir sind beeindruckt von der Rezitationskunst unserer Autor*innen. 2017 wurden bereits einige lyrische Lesungen von Musiker*innen aus arabischsprachigen Krisengebieten begleitet, und diese Abende haben uns so begeistert, dass es jetzt nicht mehr nur Weiter Schreiben, sondern auch Weiter Musizieren heißt. Für die kommenden Veranstaltungen konnten wir namhafte Berliner Literaturinstitutionen als Kooperationspartner gewinnen: Das LCB, das Haus für Poesie, das Literaturhaus, das Deutsche Theater und Baynatna – die arabische Bibliothek in Berlin.

Unser Dank gilt allen, die dieses Portal ermöglicht haben: den Autor*innen, den Übersetzer*innen, den Fotograf*innen und Illustrator*innen. Wir danken auch dem Team und seinem unerschütterlichen Engagement vor allem: Juliette Moarbes und Maritta Iseler für die Bildredaktion und Dima Albitar Kalaji für das arabischsprachige Lektorat. Ohne das Engagement der beiden Geschäftsführerinnen Patricia Bonaudo und Nicole Minten-Jung und die rückhaltlose Unterstützung von Mascha Schwarz gäbe es uns schlicht nicht.

Wir danken dem Hauptstadtkulturfonds, der Schering Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Goethe-Institut für die finanzielle Unterstützung der ersten Runde. Und dem Hauptstadtkulturfonds, der Allianz Kulturstiftung und dem Goethe-Institut für das neue Projekt.

Vor allem aber danken wir unseren Leser*innen für ihr Interesse.
Annika Reich und Ines Kappert

Weiter Schreiben ist ein Projekt von WIR MACHEN DAS, einem Bündnis, das 2015 von 100 Frauen gegründet worden ist. Was wir sonst noch so alles machen: Sehen Sie hier!