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von WIR MACHEN DAS
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in der Heinrich Böll Stiftung
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Erinnere dich an mich, gelesen von

Erinnere dich an mich

Mariam Meetra
Übersetzung: Susanne Baghestani
Foto: Jeanno Gaussi

 

Ich bin gerannt
die ganze schlaflose Straße entlang,
sie führte nicht zu meinem Haus.
Ich schrecke auf aus dem Schlaf,
voll unfertiger Gedichte,
jeden Morgen
in einer anderen Stadt.
Als sei ich durch alle Straßen der Welt gerannt,
abwärts … auf dieser fremden Straße.

Noch immer fürchte ich
den Ansturm des Windes auf mein Haar,
den Schatten, meinen Begleiter im Sonnenlicht,
den rastlosen Regen auf meinen Schultern.

Der Ort, an dem ich stehe,
gleicht keiner Erinnerung,
keinem Traum,
ich habe ein trübes Gedächtnis,
das meine Träume
vergehen lässt.
Als käme ich vom fernsten Punkt der Erde,
als würden meine Erinnerungen
weitab, unerreichbar
anderswo vergessen.
Das Gedächtnis der Welt wird bedrohlicher,
es ängstigt mich …

Eine seltsame Vergesslichkeit
hat unsere Welt erfasst.
Erinnre dich an mich,
bevor ich mich in eine traurige unbekannte Frau verwandle,
eingehüllt in stumme Schichten des Vergessens.
Behalt mich im Gedächtnis!

Eine Traurigkeit
durchzieht all meine Tage,
die mir fremd ist.

– Meine IdentitätLesenهویت من
Mariam Meetra Antje Rávic Strubel

Mariam Meetra & Antje Rávic Strubel

Mariam und Antje – sie gehen miteinander spazieren und tasten sich an Erinnerungen verlorener Gesellschaften und Leben heran. Kabul rückt näher.