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Weiter Schreiben ist ein Projekt
von WIR MACHEN DAS
und dem Gunda-Werner-Institut
in der Heinrich Böll Stiftung
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Weiter Schreiben > Editorial

Wir haben mit vielen Autor*innen aus Krisengebieten gesprochen und sie gefragt, was sie sich wünschen. Die Antwort, die wir am häufigsten gehört haben, war: „Weiter Schreiben.“ Weiter schreiben zu können heißt aber auch weiter gelesen zu werden. Denn das Schreiben und das Gelesenwerden gehören zusammen. Man schreibt nicht für sich, man schreibt aus sich heraus.

Für Autor*innen ist es elementar, dass der Prozess des Schreibens nicht abbricht. Schreiben ist nicht nur eine Kunst, es ist auch eine Lebensform, eine Art, die Welt wahrzunehmen, sich auf sie einen Reim zu machen und sich darüber in Beziehung zu setzen mit ihr.

Das gilt für Autor*innen aus Krisengebieten in besonderem Maße. Für sie ist der Schreibprozess durch die politische Situation nicht nur unterbrochen, sondern manchmal sogar lebensgefährlich. Mussten die Künstler*innen ihr Land oder ihre Region verlassen, bricht ihnen zudem der eigene Sprachraum weg. Weiter Schreiben verbindet deshalb ein künstlerisches und ein politisches Anliegen. Wir publizieren Autor*innen, die radikal neu anfangen müssen, mit literarischen Kurzformen: Gedichte, Kurzgeschichten, literarische Essays in der Originalsprache und in deutscher Übersetzung. Sie bereichern unsere Vorstellungswelten, vertiefen den transkulturellen Dialog und durchkreuzen Stereotype und Lesegewohnheiten. So zeigen feministische Perspektiven eine weniger beachtete Auseinandersetzung mit Krieg und Alltag etwa in Syrien und dem sogenannten Nahen Osten. Roma- und Sinti-Autor*innen bringen sich literarisch zu Gehör und brechen mit rassifizierenden Stereotypen über die größte Minderheit in Europa.

Wer sein Land abrupt verlassen muss, der verliert oft große Teile seiner Netzwerke. Wer fortwährend diskriminiert wird, hat es schwer, in die Öffentlichkeit zu gehen. Umso wichtiger ist es, neue und andere Netzwerke zu gewinnen, die einen Zugang zu einem unbekannten Literatur- und Medienbetrieb ermöglichen. Daran arbeiten die Autor*innenteams, an denen zahlreiche bekannte deutschsprachige Autor*innen teilnehmen, die zum Teil selbst aus Kriegs- und Krisengebieten stammen und die Erfahrung eines radikalen Umbruchs und Neuanfangs teilen. Gemeinsam feilen sie an den literarischen Texten und Übersetzungen und tauschen sich über den Literaturbetrieb und ästhetische Entscheidungen aus, damit aus Weiter Schreiben mehr entstehen kann. Fest steht schon jetzt: 2018 erscheint eine Anthologie ausgewählter Texte von Weiter Schreiben bei Blumenbar.

Unser Dank gilt allen, die dieses Portal ermöglicht haben: den Autor*innen, den Übersetzer*innen, den Fotograf*innen und Illustrator*innen. Wir danken Caroline Kraft und unseren Bildredakteurinnen Juliette Moarbes und Maritta Iseler. Außerdem Karin Graf, Joachim von Zepelin, dem Secession Verlag für Literatur und dem Tulipan Verlag für ihre rückhaltlose Unterstützung. Ohne das Engagement von Patricia Bonaudo und Nicole Minten-Jung gäbe es uns schlicht nicht. Tausend Dank Euch!

Wir danken auch dem Hauptstadtkulturfonds, der Schering Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Goethe-Institut für die finanzielle Unterstützung. Und wir freuen uns auf die enge Zusammenarbeit mit dem Literarischen Colloquium Berlin und dem Haus für Poesie.

Vor allem aber danken wir unseren Leser*innen für ihr Interesse.

Ines Kappert und Annika Reich