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von WIR MACHEN DAS
und dem Gunda-Werner-Institut
in der Heinrich Böll Stiftung
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Niemand bemerkte Deinen Tod

Ramy Al-Asheq
Illustration: Amer Akel 2017

All jenen gewidmet, die nicht akzeptiert haben, als Sklaven zu leben, und unter Folter in den Gefängnissen des Assad-Regimes gestorben sind.

Niemand bemerkte Deinen Tod.
Du hattest der Verwüstung alles übereignet
Und deine Verwüstung nahm uns in Besitz.
Und dann gingst Du zur Ruhe.
Niemand bemerkte Deinen Tod.
Bist Du fort?

Jeder wusste von Deinem Tod.
Alle haben ihn gesehen.
Sie machten weiter, ohne sich um dich zu kümmern.
Tausendfach tranken sie auf Deinen Tod,
zu Ehren Deines Todes.
Sie machten weiter, ohne sich um dich zu kümmern.

Sie malten Dein Gesicht,
deine tausend Gesichter an die Wand
und machten weiter.

Was sie wollten, schrieben sie in einer Handschrift,
die der Deinen glich.
Sie kamen, um sich Dein Land aufzuteilen
und kehrten zurück.

Wie oft haben wir Dich betrogen,
sagten sie und machten weiter.
Und die Sonne kannnte sie alle.
Wie sind sie davongekommen?
Haben sie je ein Vergehen der feigen Sonne enthüllt
und einander davon erzählt,
es benutzt, um ihr den verletzten Arm zu verdrehen?
Und sagten dann:
Das bleibt geheim.

Mit der Alterung der Zeit
wussten wir immer weniger davon.
Wie lange hat es gedauert?
Die Zeit weiß es nicht.
Der Zeitmesser ist uneins.

Wir werden schwächer
je stärker unser Verlangen wird
und wann immer der Azan erklingt
und die Jahre vergehen
werden wir schwächer.

Wir werden schwächer je stärker unsere Gewalt wird.
Wir gehen, um den zu finden, der uns bewegt
und fallen.
Wer ist es, der uns bewegt?
Weißt Du es?
Und wüsstest Du es,
wie könntest Du ein einziges Wort sagen nach all dem Tod?

Wir werden schwächer,
wann immer sie eine Waffe erfinden
ein Kämpfer eine Frage stellt, und ruht,
wann immer der Lehrer in Gottes Buch liest
vom routinierten Tod.

Und Du gingst.
Beinah kann ich fühlen wie viel Schmerzen Du erlittst
Kannst Du nun ruhen?
Du flehtest um den Tod.
Du hast geschrien.
Du bist viele Male gestorben
und hast überlebt
Ich kenne die Form des Todes nicht.
Aber es heißt, mit dem Tod ende die Auszehrung.
Ich versiegelte den Tod mit Wachs.
Ich erwartete mein Ende.
Ich zählte meine Toten.
Und ich bemerkte, wer tot war und wer überlebte.
Wer sät die Samen der Nacht in die Wiesen des helllichten Tages?
Ich!
Inzwischen hab ich mich daran gewöhnt, mit einer Frage wegzugehen
und bin immer noch nicht angekommen.
Ich bin ein unvermögender Gott,
der seine Allmacht aufgab
und sich an eine Frage lehnte.
Ich denke nach:
Wer ist es, der all diesen Tod in Bewegung setzt?
Schlaf besiegt mich
und ich komme zurück:
„Wer wird all das, was ich zerstörte reparieren?“,
frage ich
Wer antwortet?
Der Tod!
Und dann?
Das weiß nur der Tod.
Nicht um eine Antwort auf die ewige Frage zu finden,
Sondern um
eine Antwort zu finden,
die keinen Schaden bringt.
Wie oft haben wir Dich betrogen,
sagten sie und machten weiter!

Nichts kennt uns.
Wir reisen… Wir reisen nicht.
Wir fahren fort
und kommen niemals an!
Und die Spiegel wollen uns verleugnen
und all unsere Erinnerungen nehmen
die Form von Geschossen an.
Wie viele werden getötet?
Wie viele werden überleben?
Und Wahrheit ist nichts als die Summe der Geschichten,
die ein Baby erbt.
Wie können wir uns kennen?
Ein Monster ist unser Ebenbild.
Verleugnen wir unseren Ursprung?
Propheten wollen weinen angesichts des Unrechts.
Wir glaubten dem Mythos
und triumphierten
und wandelten uns eine Falsettstimme an.
Wir vergrößerten das Verbrechen
und wir wünschten, Gott sei das Schwert,
das für uns kämpft

Gott ist ein Monster
im Kopf der Verängstigten,
sie tragen Ketten,
doch Gott ist frei.

Wie oft haben wir Dich betrogen,
sagten sie und machten weiter.

Gott erscheint im Rauch einer Zigarette
und ich bin der Rauch.
Ich sehe ihn in mir.
Ich löse mich auf,
ohne dass sich Gott dagegen wehrt.
Kämpft meinen Krieg, bitte ich die Menschen,
damit ich schwimmen kann in Munition.

Und das Feuer ist mein Feuer.
Und das Land – das Paradies – erfuhr meine Verwüstung.
Wie überlebe ich meine Belagerung?
Wie überlebt Gott die Trunkenheit der Jungfrauen?
Reist er ab?

Und der Krieg ist mein Krieg
und Blut füllte das Paradies
und mischte sich mit Körperteilen
und das Land der Anderen triumphierte
– andere als ich –
werde ich besiegt?
Ich bin schon besiegt.
Und meine Verwüstung stellt mich nicht bloß!

Jedes Mädchen, das in meinem Bett ruht,
erhöht die Anzahl der Kanonen
All die Schreie meiner Vergewaltigung
drängen mich
zum Kampf.
Ich wurde älter, doch dieser Tod blieb
jung!!

Ich fürchte das Strömen.
Alles, was sich nähert wie ein Fluss
gehört mir nicht,
jedes Gedicht
jede Liebe,
jede Revolution.
Und die Offenbarung ... wer immer sie unserem Geist verkündigte,
ist ein seniler Mann, der auf den Thron sinnt.
Allein
ich war der einzige, der sagte:
Offenbarung ist eine Schande.

Ich fürchte das Strömen
aus keinem anderen Grund,
als dass der Fluss der Erzählung
keine Chance lässt
zu reifen wie Wein.

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– Fatma trägt zwei Wunden in einer Hand*Lesenفطمة تحمل جرحين بيدٍ واحدة*